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Sektkellerei seit 1882 |
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9/09 |
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Vorankündigung |
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| Die Legende vom „VOGELFELSEN“ | |||
| WIDMUNG | |||
| Den wunderbaren gefiederten Sängerchören am sonnigsten Bogen | |||
| des Rheins und ihrem Schutzpatron. | |||
| PROLOG | |||
| Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 | |||
| „EX FINIBUS TERRAE“ : | |||
| (über die Grenzen der Erde hinaus) | |||
| Es geschah vor dem Millennium, als der Gesang der Vögel im Rheintal | |||
| verstummte. Betäubende Stille legte sich wie ein Wattekissen über die | |||
| Vogelparadiese des Schwemmlandes entlang der Flussufer bis | |||
| hinüber in die Gärten und Anlagen der nahen menschlichen | |||
| Ansiedlungen. | |||
| Erdrückt von Leid und Seelenpein, welche sie durch die Menschen | |||
| erlitten hatten, war den gefiederten Sängern mit dem Lebensmut auch | |||
| die Freude am Singen abhanden gekommen. | |||
| In tiefster Not kamen sie eines Tages zusammen an einer | |||
| verschwiegenen Stelle hinter dem Gemäuer aus Steinen der alten | |||
| Sebastianskirche zum GROßEN RAT. Sie entschieden, den | |||
| lieben Gott um Hilfe zu bitten. Möge er ihnen den heiligen Franziskus | |||
| zu Hilfe schicken an den Rhein. Alle hatten große Verehrung | |||
| für den heiligen Franz, denn ihre Eltern hatten sie gelehrt, dass dieser | |||
| Heilige schon in ihrer eigenen Vogelsprache gesprochen und gepredigt | |||
| hatte. | |||
| Der liebe Gott erbarmte sich ihres Flehens und verhieß den Vögeln | |||
| den ersehnten Besuch des heiligen Franziskus am Rhein. Der | |||
| Besuch solle durch ein planetarisches Zeichen angekündigt | |||
| werden, damit ihnen noch Zeit bliebe, alle die vielen wichtigen | |||
| kleinen Geschäfte zu betreiben, die erledigt werden müssen, um | |||
| den gebührenden Empfang eines so hohen Gastes vorzubereiten. | |||
| Und das versprochene Zeichen geschah. Nach einer Zeit großer | |||
| Erwartung und Ungeduld, in der Mitte eines heißen Hochsommertages | |||
| vor dem Millennium, begannen allmählich die Schatten zu verblassen | |||
| und nächtliche Dunkelheit senkte sich über die Erde. Am Himmel war | |||
| der Vollmond vor die glühende Sonnenscheibe getreten und versperrte | |||
| den lebenspendenden Strahlen den Weg. Für eine bange Weile | |||
| kam das Leben auf der Erde zum Erliegen. | |||
| Der gute Mond zog weiter, die Schatten kehrten zurück und | |||
| Menschen und Kreatur erlebten an jenem Tag die Gnade | |||
| des zweiten Sonnenaufgangs. Die Vögel aber erkannten, | |||
| dass das überwältigende Schauspiel am Firmament das | |||
| Vorzeichen war, mit welchem ihnen der Besuch des heiligen | |||
| Franziskus angekündigt werden sollte. | |||
| Voreilige begannen eifrig herumzustöbern und nach den | |||
| festlichsten und glänzendsten Gewändern zu suchen und andere | |||
| übten sich schon in den feierlichsten und frömmsten Liedern, denen | |||
| sie schon als Kleine ihren Eltern und Großeltern zugelauscht hatten. | |||
| Doch ihre Geduld sollte noch auf eine lange harte Probe gestellt | |||
| werden. | |||
| Der Altweibersommer überzog das Land mit seiner edlen Patina. | |||
| Rotgolden leuchtende Blätter und silbrig glänzende Spinnenfäden | |||
| mahnten unerbittlich, dass die Zeit des Abschieds und der | |||
| großen Reisen gekommen war. Schon bald würde der kalte Boreas | |||
| dürres Laub über die Stoppelfelder jagen und die ersten Schneeflocken | |||
| tanzend von der Zeit der langen Nächte und der einsamen fernen | |||
| Lichter künden. Nun waren die bergenden engen Höhlen und Nischen | |||
| gefragt, welche Schutz und kuschelige Wärme bieten konnten. | |||
| Die Natur unterzog alle Geschöpfe einer lange währenden harten | |||
| Prüfung, bis allmählich die Tage wieder länger wurden. Mit Licht und | |||
| Wärme kehrte auch wieder das Leben zurück in die Landschaft. | |||
| Der erste zarte grüne Schimmer wich einem so nie erlebten | |||
| Feuerwerk aus bunten Blüten und zarten und betörenden | |||
| Düften, mit welchen der erste Frühling das junge Jahrtausend | |||
| begrüßte und zugleich auch den erschöpften Heimkehrern von den | |||
| großen Zügen aus den fernen Winterquartieren in diesem Jahr einen | |||
| besonders herzlichen Empfang in der Heimat bereitete. Und so hätte | |||
| der alljährliche Kreislauf des Lebens wieder seinen gewohnten Verlauf | |||
| genommen, wenn nur nicht immer noch die bedrückende Stille über | |||
| dem Land geherrscht hätte. Selbst das Angesicht des Frühlings hatte | |||
| die Vogelscharen nicht zum Singen bewegen können. | |||
| Aber eines Tages war alles ganz anders. Ein fulminanter | |||
| Sonnenaufgang hatte die Frühwachen schon in seinen Bann | |||
| gezogen und scheinbar schwerelos über dem Horizont schwebend | |||
| kündigte die gewaltige, zu früher Stunde schon hellgolden gleißende | |||
| Sonnenscheibe, einen bedeutsamen Tag an. Spannung und | |||
| Vibrieren erfüllten die Luft wie sonst nur in der Mitte der heißesten | |||
| Hochsommertage. Vom fernen Dienheim trug der frische | |||
| Morgenwind in feinen Schallwellen ein silberhelles Geläut herüber | |||
| zum Oppenheimer Berg, die vereinten Stimmen von St. Josef und | |||
| St. Bonifaz. Der Weckruf wurde aufgenommen vom sonoren Geläut | |||
| des alten Franziskanerklosters St. Bartholomae und bald darauf | |||
| erhoben auch die Glocken des ehrwürdigen St. Katharinen Doms | |||
| ihre gewaltigen Stimmen. Wie ein mächtiges Kirchenschiff legte sich | |||
| ein Klanggewölbe aus festlichem Glockengeläut über das stumme | |||
| Land zwischen den beiden Ansiedlungen. | |||
| Ungewohnte Betriebsamkeit herrschte auch am alten Kirchengemäuer. | |||
| Die aufmerksamen kleinen Wächter, welche seit den Tagen des | |||
| GROßEN RATS abwechselnd rund um die ehrwürdige | |||
| Versammlungsstätte ihren Dienst geleistet hatten, wurden gewahr, | |||
| dass sie nicht mehr alleine waren. Ein kleines stilles Männlein im | |||
| schlichten braunen Rock lehnte, tief in sich versunken, in einem der | |||
| oberen Fenstergesimse. | |||
| Franziskus ist da! Unser hoher Besuch ist eingetroffen! In Windeseile | |||
| verbreitete sich die Nachricht über das ganze Land. Und schon | |||
| kamen sie in Scharen aus allen Richtungen angeflattert, angewatschelt, | |||
| eingeschwebt und versammelten sich, dicht aneinander gedrängt, im | |||
| großen Kreise hinter dem alten Gemäuer, denn ein jeder wollte am | |||
| besten und am meisten hören von dem was Franziskus zu ihnen | |||
| sprechen würde. Angelockt von der großen Unruhe fanden sich | |||
| auch die ersten Menschen auf der Straße vor dem Gebäude ein. | |||
| Als Franziskus endlich sein Haupt leicht anhob zog sofort ehrfürchtige | |||
| Stille ein in die Runde und als er mit leiser und ruhiger Stimme zu | |||
| reden anfing versuchten alle, ihm jedes seiner Worte direkt von den | |||
| Lippen abzulesen. Und Franziskus sprach alsdann mit so bewegenden | |||
| Worten, dass er sogar jene erreichte, welche den Vögeln in der | |||
| Evolution Jahrmillionen vorausgeeilt waren und seitdem als Steine | |||
| im Fels geschlummert hatten. Selbst jene begannen sich zu regen und | |||
| zu räkeln und nahmen auch an dem großen Ereignis teil. | |||
| Franziskus sprach von der allgegenwärtigen unendlichen Liebe Gottes | |||
| zu seinen Geschöpfen, in der auch die gesamte Vogelwelt mit | |||
| eingebunden und in welcher kein Grashalm, kein Federchen und nicht | |||
| das kleinste Sternchen am entferntesten Ende der Milchstrasse | |||
| vergessen sei. Die Menschen ermahnte er, ihre große Verantwortung | |||
| für die Kreatur nicht zu vergessen, welche Gott ihnen anvertraut hatte. | |||
| Franziskus rief die Menschen und Kreaturen auf zur Liebe und | |||
| Achtung untereinander, denn nur durch Liebe können alle Gegensätze | |||
| überwunden und der Wille Gottes erfüllt werden. Schließlich erweckte | |||
| er in seinen gefiederten Zuhörern wieder den Lebensmut indem er sie | |||
| für die Zukunft seines besonderen Schutzes und seiner immer | |||
| spürbaren Nähe versicherte. | |||
| Als Franziskus schließlich zu Ende kam und allmählich wieder den | |||
| Blicken der Versammelten entschwand brach ein Jubelsturm los aus | |||
| tausenden aufgeregter Vogelstimmen und die ganze versammelte | |||
| Gesellschaft hob sich langsam, wie eine dichte Wolke, in die Luft und | |||
| stob plötzlich in alle Himmelsrichtungen auseinander. | |||
| Und seitdem ertönen die reinsten und schönsten Vogelsänge der Erde | |||
| aus den feuchten Rheinauen bei Oppenheim, zum Lobe Gottes, zu | |||
| Ehren des heiligen Franziskus und zur Freude aller Menschen. Das | |||
| alte Gemäuer aber, an welchem das große Ereignis stattgefunden | |||
| hatte, wird seitdem „Vogelfelsen“ genannt. | |||
| EPILOG | |||
| Die Legende vom „Vogelfelsen“ wurde aufgeschrieben als Botschaft | |||
| an die später geborenen, welche am unmittelbaren Geschehen um das | |||
| Millennium nicht teilgenommen haben. Dabei könnte sich die Frage | |||
| aufwerfen, ob diese wunderbare Erzählung vielleicht noch gar keine | |||
| Legende ist, sondern noch eine Geschichte. | |||
| In der Schule haben wir gelernt, dass in Legenden nur vergeistigte | |||
| Wesen vorkommen, die schon lange nicht mehr lebend auf unserem | |||
| Planeten herum wandeln. Unter dem Eindruck der Geschehnisse war | |||
| aber versehentlich versäumt worden, einen Vorfall zu schildern, | |||
| welcher für die Beurteilung des besonderen Wesens einer Legende | |||
| von Bedeutung ist. | |||
| Beim GROßEN RAT hatte es nämlich unfreiwillige Zuhörer gegeben. | |||
| Vater und Sohn, sie schäumten den Wein nebenan in den Höhlungen | |||
| des Oppenheimer Berges. Unruhe und lautes Klagen hatten ihre | |||
| Aufmerksamkeit erweckt. Zutiefst betroffen traten sie in die Mitte | |||
| der großen Runde und sprachen: „Wir sind unfreiwillige Zeugen | |||
| geworden von eurem großen Leid und erschüttert über | |||
| das, was unseresgleichen über euch gebracht. Aber wir können euch | |||
| helfen, denn wir sind kundig im Fügen von Steinen. Wir wollen für | |||
| euch aus dem Gemäuer der alten Kirche eine Stätte | |||
| schaffen, würdig, euren hohen Besuch zu empfangen“. | |||
| Schon am nächsten Tag machten sie sich ans Werk mit ihren Getreuen, | |||
| stets aufmerksam überwacht von einigen besonders baukundigen und | |||
| gewitzten aus der Vogelschar, damit denn ja nichts schief ginge und | |||
| die Arbeiten nicht ins Stocken kämen. Und weil viele fleißige Hände | |||
| bald ein frohes Ende bereiten wurde das gemeinsame Haus bald im | |||
| Sinne der Vorstellungen aller fertig gestellt und von nun an richteten | |||
| alle ihre Erwartungen nur noch auf die bevorstehenden Ereignisse. | |||
| Vater und Sohn aber wandeln noch immer auf unserem Planeten | |||
| herum. An manchen Abenden, nach besonders arbeitsreichen | |||
| Tagen, sitzen sie in gemütlicher Runde mit ihren Getreuen hinter | |||
| dem „Vogelfelsen“, laben sich am schäumenden Wein und lauschen | |||
| den volltönenden Abendliedern der Vögel. Nicht selten kommen | |||
| sie dabei ins Schwärmen in Erinnerung an die Ereignisse um das | |||
| vergangene Millennium. | |||
| Mitunter auch nehmen aufmerksame Spaziergänger nachts beim | |||
| Vorbeistreifen entlang der Efeubewachsenen Mauern am oder aus | |||
| einer der kleinen Steinhöhlen im „Vogelfelsen“ ein zartes Fiepen wahr. | |||
| Dann können sie sicher sein, dass ein kleiner gefiederter Schlafgast | |||
| gerade ein Träumchen erlebt, in welchem gewiss soeben der | |||
| heilige Franziskus vorkommt. | |||
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| SCHLUSSWORT | |||
| Also dürfen Sie nun für sich selbst entscheiden, ob die wundersame | |||
| Erzählung vom „Vogelfelsen“ noch eine Geschichte ist oder, | |||
| vielleicht für sie ganz persönlich, doch schon eine Legende. | |||
| Legende vom "Vogelfelsen" zum DOWNLOAD als pdf. | |||
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